Gluckernde oder kalte Heizkörper? Das Entlüften der Heizung ist oft die Lösung. Wir erklären, wie es geht, was Sie brauchen und wann professionelle Hilfe nötig ist.
Heizung entlüften: Warum, wann und wie
Wenn Ihre Heizung gluckert, oben kalt bleibt oder trotz aufgedrehtem Thermostat nicht richtig warm wird, ist die häufigste Ursache Luft im Heizungssystem. Die gute Nachricht: Entlüften ist eine einfache Maßnahme, die jeder Heimwerker selbst durchführen kann – kostenlos, in 15 Minuten.
Warum kommt Luft in die Heizung?
Luft gelangt auf verschiedene Wegen ins Heizungssystem:
Füllwasser: Jedes Mal, wenn Wasser in die Heizungsanlage nachgefüllt wird (z.B. nach einem Druckabfall), enthält dieses frische Wasser gelöste Luft, die sich im Heizkreislauf absetzt.
Korrosion: Chemische Reaktionen zwischen Wasser und Metallrohren erzeugen Wasserstoff – besonders in älteren Anlagen.
Undichte Stellen: Kleine Leckagen können Luft ansaugen, wenn die Anlage abkühlt.
Heizungswartung: Nach Reparaturarbeiten, bei denen das System geöffnet wurde.
Symptome: Wann sollten Sie entlüften?
Gluckerndes Geräusch – das klarste Zeichen. Die Luft im System bewegt sich mit dem Wasser mit.
Heizkörper oben kalt, unten warm – Luft sammelt sich oben und verdrängt das Heizwasser.
Heizkörper wird auch bei vollem Thermostat nicht warm – zu viel Luft blockiert die Wärmeverteilung.
Heizungspumpe summt laut – Kavitation durch Lufteinschlüsse.
Druckabfall im Heizungssystem – Zeige bei 1,0–1,5 bar, sollte eigentlich bei 1,5–2,0 bar liegen.
Was Sie für das Entlüften brauchen
- Entlüftungsschlüssel (kostet ca. 3–5 €, im Baumarkt erhältlich)
- Auffangbehälter (kleiner Eimer oder Tasse)
- Handtuch
- Optional: Schutzhandschuhe (Wasser kann sehr heiß sein!)
Schritt-für-Schritt: Heizung entlüften
Schritt 1: Heizungsanlage aufheizen
Schalten Sie die Heizung auf volle Leistung und warten Sie 15–20 Minuten, bis das Heizwasser zirkuliert. So können Sie genau feststellen, welche Heizkörper Luft enthalten.
Schritt 2: Reihenfolge festlegen
Beginnen Sie mit dem Heizkörper, der dem Kessel am nächsten liegt, arbeiten Sie sich nach hinten durch. Bei mehrstöckigen Häusern: zunächst das Erdgeschoss, dann das erste Stockwerk usw.
Schritt 3: Entlüftungsventil öffnen
Das Entlüftungsventil befindet sich an der oberen Seite des Heizkörpers (kleines Nippel, meist seitlich). Stecken Sie den Entlüftungsschlüssel darauf und drehen Sie langsam gegen den Uhrzeigersinn (ca. 1/4 Drehung). Halten Sie den Auffangbehälter darunter.
Schritt 4: Luft entweichen lassen
Zuerst hören Sie ein Zischen: Das ist die entweichende Luft. Sobald nur noch Wasser (ohne Unterbrechung) ausläuft, drehen Sie das Ventil sofort wieder zu. Zu lange offen lassen = Druckabfall im System.
Schritt 5: Druck kontrollieren
Nach dem Entlüften sinkt der Systemdruck. Prüfen Sie das Manometer am Heizkessel. Normaldruck: 1,5–2,0 bar. Ist er darunter, muss Wasser nachgefüllt werden.
Schritt 6: Wasser nachfüllen (wenn nötig)
Am Heizkessel gibt es ein Befüllventil (meist blaue oder grüne Klappe). Langsam öffnen und Wasser einfließen lassen, bis der Druck wieder stimmt. Achtung: Zu schnelles Befüllen bringt neue Luft ins System!
Schritt 7: Ergebnis prüfen
Alle Heizkörper aufdrehen und 20 Minuten warten. Werden alle gleichmäßig warm? Keine Geräusche mehr? Dann ist alles in Ordnung.
Wann muss der Fachmann ran?
Automatischer Entlüfter defekt: Moderne Anlagen haben automatische Entlüfter – wenn diese nicht mehr funktionieren, bildet sich immer wieder Luft. Austausch nötig.
Anlage braucht sehr häufig Entlüftung: Wenn Sie monatlich entlüften müssen, liegt ein Systemfehler vor – Korrosion, Leck oder falscher Betriebsdruck.
Druck fällt regelmäßig ab: Ein dauerhaft fallender Systemdruck zeigt ein Leck oder eine defekte Membranausdehnungsgefäß.
Schlamm oder Rost im Wasser: Wenn das abgelassene Wasser deutlich braun oder schwarz ist, zeigt das Korrosion. Dann sollte die Anlage gespült und ein Schlammabscheider eingebaut werden.
Unbekannte Anlage: Wenn Sie die Heizungsanlage nicht kennen oder unsicher sind, lieber den Fachbetrieb rufen – ein Fehler kann zu Schäden führen.
Häufige Fragen zum Heizung Entlüften
Wie oft sollte man die Heizung entlüften? Einmal jährlich (am besten zu Beginn der Heizsaison) ist Standard. Bei häufigen Geräuschen oder kalten Heizkörpern auch öfter.
Was kostet es, die Heizung vom Fachbetrieb entlüften zu lassen? Eine einfache Entlüftung im Rahmen einer Heizungswartung ist meist enthalten. Als Einzeleinsatz: 80–150 € je nach Aufwand.
Kann ich Frostschutz- oder Heizungswasser kaufen statt Leitungswasser zu nehmen? Ja. Für Anlagen mit Wärmepumpe empfiehlt sich demineralisiertes Wasser (oder Wasser mit korrektem pH-Wert), da kalkreiches Leitungswasser (wie in Wiesbaden) über die Zeit Ablagerungen im Wärmetauscher verursacht.
Muss die Heizung beim Entlüften an oder aus sein? Sie sollte laufen (aufgeheizt), damit die Luft nach oben gedrückt wird. Aber Achtung: Das Wasser ist heiß – Verbrennungsgefahr! Schutzhandschuhe empfehlenswert.
Karatay GmbH – Heizungswartung und -service in Wiesbaden inkl. Entlüftung und hydraulischem Abgleich. Termin vereinbaren: +49 611 531 688 66

